Geschichte - St. Damian und Hugo

Schon während des Baues des Schlosses beschäftigten sich die Gedanken des Fürstbischofs Schönborn mit der zukünftigen Aufgliederung und dem Aufbau der Seelsorge in ganz Bruchsal. Solche Überlegungen sprach er zum ersten Male ein Jahr nach dem Beginn des Baues des Kirchenflügels am 4. Dezember 1724 aus. Er wollte die Stadt in drei Pfarrbezirke teilen - das Stadtinnere, die östliche Vorstadt und die Residenzvorstadt, auch Speyerer Vorstadt genannt. Für das Stadtinnere war die Stiftskirche "Unserer Lieben Frau" der Mittelpunkt der Seelsorge, für die östliche Vorstadt die Peterskirche und für die Residenzvorstadt sollte es die Hofkirche werden. So ist es auch verwirklicht worden. In der Hofkirche fanden 1727 bereits die ersten Firmungen statt.
Seine eigentlichen Gedanken über die Anfänge der Hofpfarrei aber hat er in seinem "Decretum et constitutio" zusammenfaßt, das im Jahre 1728 von ihm selbst niedergeschrieben wurde. In dieser Niederschrift hat Schönborn bekannt, wie ernst er es mit seinem bischöflichen Amt nahm. Er machte sich Gedanken, von welchen Intentionen sich ein Bischof leiten lassen müsse und welche Beweggründe er nicht haben sollte; was ein guter Bischof sei und tue und wie wichtig treue und eifrige Diener seien.
Seine Amtsangelegenheiten aber wolle er mit dem Bau der neuen "Hof- und respektive Pfarrkirche" beginnen, die er errichten lasse

Damian Hugo Kardinal von Schönborn


1. zu Gottes Ehre und Anbetung
2. als Hofkirche für das neue Schloss zu seinem und zum Trost seiner bischöflichen Nachfolger
3. zum Aufbau der Diözese
4. damit er sein bischöfliches Amt vollziehen könne, was in der Speyerer Kathedrale nicht möglich sei
5. weil Bruchsal sich täglich "mit Volk vermehret und nur zwei Pfarrkirchen da" sind, von denen die Stiftskirche erst wiederaufgebaut, die Peterskirche aber noch in Trümmern liege; und wenn diese auch wieder aufgebaut würde, so erfordere es doch "die höchste Noth, die Vorstadt gegen das Speyerer Tor nebst Militz und Hofstatt noch mit einer pfarr zu versehen"
6. weil der Anfang mit einem Priesterseminar gemacht sei, damit die Seminaristen die Pastoralien erlernen und sich "in officiis divinis" besser habilitieren können
7. damit er als Bischof für die Armen sorgen könne
8. damit in der Hofkirche für den Bischof und das Hochstift gebetet werden könne.

Schönborn verspricht in dieser Niederschrift, dass er für die Kirche sorgen wolle und gibt in 57 kurzen Sätzen an, was noch zu tun sei, damit eine echte Gemeinde, ein Pfarramt entstehe, ein Gottesdienst gehalten und eine Helferschar der Gemeinde gebildet werden könne. In diesem Vorhaben liegt die eigentliche Gründungsurkunde der Hofpfarrei. Darum seien sie hier kurz umrissen. Und zwar unterschied Schönborn von vornherein den Gottesdienst "qua Hoff- als qua Pfarrkirch". Der Hofkirche war also von Anfang an diese doppelte Aufgabe zu eigen: Hof- und Kathedralkirche - Prokathedrale - und dennoch auch Pfarrkirche für das Volk zu sein. Auch die folgenden Ausführungen in dieser Urkunde zeigen deutlich, dass Schönborn eine Pfarrkirche an seinem Hofe haben wollte; es müsse, so heisst es in der Niederschrift "Decretum et constitutio", noch im einzelnen beschlossen werden, wie es gehalten werden solle mit: Oberpfarrer und Unterpfarrer, Substituten, Helfern, dem Salär des Pfarrers, den Stolgebühren, dem Pfarrgottesdienst, der Christenlehre, dem Krankenbesuch, der Beicht, dem Versehen, der Letzten Ölung, den Begräbnissen, dem Gefangenenbesuch, der Vorbereitung auf den Tod, bei Strafgerichten und in Kriminalsachen, mit den Kirchenjuraten und ihrem Amt, mit den Kultbedürfnissen und der Gottesdienstordnung, der Ordnung im Kirchcnraum, mit den Soldaten, mit den Bedienten, mit der Schule bei Hofe, mit dem Kapelldiener und seinem Unterhalt und seiner Wohnung, mit dem Pfarrbezirk, mit den Hofbedienten, den Taufen, Eheschließungen, Läuten bei Begräbnissen, mit der Osterbeicht und -kommunion, mit der Aussetzung des Sanctissimum, mit dem Abhören der Kirchenrechnungen und ihrer Überprüfung, bei Prozessionen an Fronleichnam (in festo corporis) und bei solchen an der Hof- und Stiftskirche und bei St. Peter.
All diese Vorhaben, die Schönborn in Aussicht nahm, bezogen sich auf eine Pfarrkirche. Die Hofkirche war eine Pfarrkirche und Kathedralkirche zugleich. Diese Stellung behielt sie bei bis zum Tode Bischof Wilderichs im Jahre 1810; danach blieb sie Pfarrkirche für die katholische Kirchengemeinde bis zur Zerstörung am 1. März 1945. Diese war so total, dass der Wiederaufbau einer Neugründung glich; die Rechte der Kirche und die Pflichten des badischen Staates, die im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts bis ins Einzelne geklärt werden mussten, blieben die gleichen.

Das 1945 zerstörte Schloss


Der Wiederaufbau der Hofkirche erfolgte in den Jahren 1960 bis 1966. Es musste die Gesamtgestalt des Schlosses, wie es geplant war, gewahrt werden,der Kirchenflügel sich also dem Kammerflügel anpassen. Bereits am 28. Oktober 1953 konnte die Pfarrgemeinde das Richtfest des Hofkirchenturmes feiern, der am 2. Februar und 1. März 1945 in der oberen Hälfte zerstört worden war.
Am 21. Juli 1966 wurde die Hofkirche durch Hofpfarrer Alois Westermann benediziert und so in den Dienst Gottes gestellt. Vor der Konsekration musste aber noch die Innenausstattung erfolgen, die allerdings nicht die alte Barockkirche wiederbrachte, sondern eine völlig moderne Gestaltung, die auf Überraschung stieß. Erst am 8. März 1970 wurde die Hofkirche von dem Freiburger Erzbischof Dr. Hermann Schäufele feierlich konsekriert. Die Pfarrgemeinde hatte wieder ihren Mittelpunkt.

(aus der Festschrift: 250 Jahre Hofpfarrei (1730-1980)