Der Pallottiner Lentz findet klare, wie auch tröstliche Worte zu dem Trauerprozess und dem Loslassenmüssen. Mit Bezug auf die Lesung aus dem Buch Kohelet "Alles hat seine Zeit" betont er: Darin stecke keineswegs Resignation, weil nichts Bestand habe, sondern vielmehr ein "großer Trost" und ein "Aufruf zu mehr Gelassenheit". Für ihn birgt die Lesung die größte Beruhigung, denn "alles liegt in Gottes Händen" und "er geht alle Wege mit uns". Vor diesem Hintergrund kann "aus Trotz trotzdem werden", gerade an einem Tag des Abschieds.
Auch Markus Hau, der Provinzial der Pallottiner in Friedberg, hat eine Trostbotschaft dabei, nämlich Textzeilen von Hilde Domin, die er den Gläubigen ans Herz legt. Er zitiert die Lyrikerin mit dem Satz "Man muss weggehen können. Und doch sein wie ein Baum", bereit also zum Aufbruch, aber gleichzeitig verwurzelt im Boden. Seine mutmachenden und versöhnlichen Worte wirken nach - besonders mit Blick auf das Motto des Heiligen Jahrs "Pilger der Hoffnung".
Diese beiden Ansprachen machen den spröden kirchenrechtlichen Verwaltungsakt des Abends leichter: Abschließend verliest Markus Hau noch das vom Freiburger Erzbischof Stephan Burger unterzeichnete Profanisierungsdekret - und damit ist die Entwidmung der Kapelle, quasi das Gegenstück zur Kirchweihe, offiziell vollzogen.
Nach und nach löscht Lentz noch die Lichter am Altar, entfernt die Osterkerze aus ihrem Ständer und Pater Dieudonné trägt behutsam den Kelch mit dem Allerheiligsten beim feierlichen Auszug aus der Kapelle. Passend dazu fällt nach einem Regenschauer wieder Abendsonne durch die Buntglasfenster, bevor sich die Kirchentür endgültig schließt.