Stadtkirche - Geschichte Teil 2

Nach dem Westfälischen Frieden lebten die Streitigkeiten zwischen Ritterstift und Bischof erneut auf. Der Stiftsdekan Johann Adam von Flaxland bestritt seinem Oberhirten das Recht auf eine kirchliche Visitation, weil das Stift reichsunmittelbar sei. Eine Entscheidung zugunsten des Bischofs und der Pfarrei fiel erst 1753 durch Urteile des Kaisers und des Papstes; sie hat sich teilweise auch deswegen hinausgezogen, weil das Bistum erneut in die Kriege verwickelt wurde.

Der Westfälische Frieden hatte Frankreich das Besatzungsrecht in Philippsburg eingeräumt, und jetzt trachtete Ludwig XIV. danach, das ganze linke Rheinufer der französischen Krone anzugliedern. In den sich entwickelnden Kämpfen, vor allem im Niederländischen und Pfälzischen Krieg, wurde Bruchsal gründlich von den Franzosen zerstört. 1676 wurde die Stadt zum ersten Male niedergebrannt, darunter "die schöne Stiftskirche mit dem Turm, der Orgel, den Glocken und Uhren, wie auch mit allem, was die armen Leute darein geflüchtet." Nur 16 Häuser in der Stadt und 20 in den Vorstädten blieben verschont.

Im nächsten Jahr brannte ein französisches Streifkorps den Hoheneggerhof nieder. 1681 versah man die Kirche und den Turm mit Notdächern, 1683 hielten zwei Jesuitenpatres eine Visitation hier ab. Nach ihrem Bericht bot die Liebfrauenkirche einen "traurigen Anblick. Der früher so reich geschmückte Innenraum lag öde und ausgebrannt".

1689 wurde Bruchsal erneut von den Franzosen eingenommen. "Am Dienstag, 9. August 1689, ist die französische Armee unter General Duras von Heidelberg her vor die Stadt gerückt und hat Mittwoch zu Mittag mit zwei großen Kanonen und anderem Geschütz, welche sie auf dem Steinsberg (Reserve) und dem Kirchbrücklein (große Brücke) gepflanzt gehabt, die Stadt anfangen zu beschießen, wodurch die Gewölbe der Stiftskirche eingestürzt sind. Durch dieses Unglück sind auch die nach dem vormaligen französischen Brand mit so großen Kosten wieder hergestellte Stiftskirche und andere Stiftsgebäude (gemeint sind die Wohnungen der Stiftsherren) in Rauch aufgegangen."

Auch das letzte noch unversehrte Gebäude Bruchsals, das Kapuzinerkloster mit gotisierender, 1672 von Mathias von Burgund erbauter Kirche, wurde ein Jahr später eingeäschert, als die Bruchsaler Bevölkerung eine Wallfahrt auf den Michaelsberg machte.

Das Jahr 1690 bedeutete einen Tiefpunkt in der Geschichte Bruchsals, das Ende der mittelalterlichen Stadt. Es standen nur noch ein paar elende Hütten, die Bevölkerung war auf 400 Personen gesunken, ein Bericht der Stadt spricht von 3500 Seelen, die "seithero beerdigt worden". Einen ungefähren Eindruck vom Aussehen der Stadt mit der Stiftskirche vermittelt eine Zeichnung Simon Schmalkalders, Fouriers im kaiserlichen Heer, aus dem Jahre 1689 kurz vor der totalen zweiten Zerstörung. Die Stadtkirche ist hier mit Notdächern versehen, die gotische Maßwerkgalerie des Turmes ist noch vorhanden.

Nach den Verheerungen einer fast hundertjährigen Kriegsepoche ging der Wiederaufbau der Stadt mit ihrer Kirche nur sehr langsam vonstatten. Die Gemeinde war arm geworden, selbst die Weinberge waren verdorben. 1690 kam dazu noch eine Seuche, das "große Sterben", wie sie damals im Gefolge der Kriege immer auftrat. Da auch der Pfarrer dem Sterben erlegen war, wurde der Pfarrgottesdienst bis 1699 in der städtischen Spitalkirche von einem Kapuzinerpater abgehalten. Erst 1699 berichtet der neuernannte Pfarrer von Bruchsal, Rohrmoser, dass die Liebfrauenkirche wieder an Sonn- und Feiertagen von der Gemeinde benutzt werden durfte. So erklärt sich die Tatsache, dass neun Jahre lang die Spitalkirche der Pfarrei diente. Es war in dieser Zeit, als die Bürgerschaft sich erst allmählich durch Zuzug, teilweise durch Einwanderung aus der Schweiz und Oberitalien, ergänzte, für die adeligen Stiftsherren ein leichtes, ihre Ansprüche auf die Liebfrauenkirche auszudehnen. Ihre Grundmauern waren trotz der "großen Brunst" noch vorhanden.

Nach den Verheerungen einer fast hundertjährigen Kriegsepoche ging der Wiederaufbau der Stadt mit ihrer Kirche nur sehr langsam vonstatten. Die Gemeinde war arm geworden, selbst die Weinberge waren verdorben. 1690 kam dazu noch eine Seuche, das "große Sterben", wie sie damals im Gefolge der Kriege immer auftrat. Da auch der Pfarrer dem Sterben erlegen war, wurde der Pfarrgottesdienst bis 1699 in der städtischen Spitalkirche von einem Kapuzinerpater abgehalten. Erst 1699 berichtet der neuernannte Pfarrer von Bruchsal, Rohrmoser, dass die Liebfrauenkirche wieder an Sonn- und Feiertagen von der Gemeinde benutzt werden durfte. So erklärt sich die Tatsache, dass neun Jahre lang die Spitalkirche der Pfarrei diente. Es war in dieser Zeit, als die Bürgerschaft sich erst allmählich durch Zuzug, teilweise durch Einwanderung aus der Schweiz und Oberitalien, ergänzte, für die adeligen Stiftsherren ein leichtes, ihre Ansprüche auf die Liebfrauenkirche auszudehnen. Ihre Grundmauern waren trotz der "großen Brunst" noch vorhanden.

Sie konnte alsbald nach dem Brand wieder eingedeckt werden. Erst mit dem Regierungsantritt des Bischofs Heinrich Hartard von Rollingen (1711 bis 1719), der zugleich Propst des Stiftes Odenheim war, "einer der klügsten, erfahrensten und gelehrtesten Staatsmänner", kam in die Verwaltung des Speyrer Bistums ein frischer Wind; bei ihm hatte auch der einfachste Mann Zutritt. Er ließ 1716/17 Chor und Langhaus wieder einwölben und mit guten Dächern versehen. Die Kosten übernahm das Ritterstift Odenheim gemäß den Vereinbarungen von 1507. Die Arbeiten im Langhaus waren 1723 vollendet. Auffallend für die Wiederherstellungsarbeiten ist es, dass sie unter Anlehnung an die gotische Bauweise durchgeführt wurden. Der Turmhelm, der 1676 und 1689 weggebrannt war, wurde indessen im Zeitgeschmack des beginnenden 18. Jahrhunderts mit einer welschen, kräftig ausgebogenen Haube mit Laterne und Aufsatz versehen, wahrscheinlich im Jahre 1718.

Damian Hugo Kardinal von Schönborn

Der Nachfolger Rollingens wurde der noch tatkräftigere Kardinal Damian Hugo, Graf von Schönborn (1719 bis 1743), dem das Aufblühen seiner Diözese ein ernstes Anliegen war. Bekanntlich hat er nach Bruchsal seine Residenz verlegt und das weltberühmte Schloss erbaut (Grundsteinlegung am 27. Mai 1722); fromm und gewissenhaft, ein feiner Diplomat in kaiserlichen Diensten, hatte er sich als Deutschordenskomtur als ausgezeichneter Verwaltungsbeamter bewährt; so wurde er zum "zweyten Fundator des Speyrer Bistums", wo zahlreiche Kirchen, Rathäuser und Schlösser ihm die Entstehung verdanken. Dabei hat er als sparsamer Landesvater trotz seiner außergewöhnlichen Bautätigkeit das Hochstift Speyer von Schulden befreit und 1.773.000 Gulden hinterlassen. Mit Recht konnte er von sich rückblickend sagen: "Das Hochstift Speyer hab ich steinich gefunden und hab es golden hinterlassen." Damian Hugo hat auch die verworrenen Verhältnisse zwischen Stadtpfarrei und Ritterstift geregelt: 1724 erließ er ein Dekret, wonach er Bruchsal in drei Pfarreien teilte:

1. die Stadtpfarrei, die ummauerte eigentliche Stadt umfassend; 1724 bis 1730 fungierte als Pfarrverweser der Regens des bischöflichen Seminars Dr. Kellermann, der Vertraute und beste Helfer Schönborns in geistlichen Dingen

2. die Peterspfarrei für die beiden ländlichen Vorstädte südlich der Saalbach

3. seit 1730 die Hofpfarrei, wozu die heutige Huttenstraße und die Residenzvorstadt zählte.

Im selben Jahr wurden in der Stadtkirche die beiden Altäre in den Seitenschiffen in Auftrag gegeben, rechts der Pfarraltar mit zwei tüchtig gearbeiteten Barockfiguren, der "Liebe und Standhaftigkeit". Das Altarbild stellte die Krönung Mariens dar, war aber durch Übermalung ziemlich verdorben; links der Altar der Männer-Sodalität mit den Standbildern des Glaubens und der Hoffnung. Das Altarbild, ebenfalls beschädigt, zeigte die heilige Familie. Daher kam es, dass bis zur Zerstörung 1945 die Männer auf der linken Seite der Kirche ihren Platz hatten. Beide Seitenaltäre hat der kurpfälzische Tischler Zeller verfertigt, Auf der Mensa des ersteren Altares stand eine Madonna von dem berühmten Bildhauer Valentin Götz. Außer diesen Seitenaltären befand sich im Langhaus, in einer der nördlichen, von den Strebepfeilern gebildeten Nische, der sogen. Kreuzaltar, eine eindrucksvolle, ruhig gehaltene Darstellung der Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes zu Seiten, mit Magdalena zu Füßen des Kreuzes. Diese Gruppe, vor das gotische Fenster gestellt, wirkte im Halbdunkel der Kirche auf den andächtigen Betrachter sehr eindringlich. Sie wurde 1732 von den Stuckateuren Jakob Finsterwald und Michael Zopf geschaffen.

Stadtkirche vor der Zerstörung

 

Das barocke Glanzstück der Kirche war der Hochaltar, der trotz des Stilunterschieds mit dem barockisierten gotischen Chor eine innere Einheit bildete. Kein Wunder, hatte doch Balthasar Neumann selbst an seiner Gestaltung beratend mitgewirkt. Der Italiener Pedetti, die beiden Bildhauer Valentin Götz und Johann Gg. Stahl führen ihn 1743-45 aus. Auf einem hohen marmornen Unterbau erhoben sich acht mächtige Säulen, die einen schwungvollen, in der Mitte unterbrochenen Giebel trugen. Zwischen den Mittelstücken zeigte sich in Vollplastik die Himmelfahrt Mariens, überstrahlt von dem Licht, das, durch das Mittelfenster Hütend, die über der hl. Jungfrau schwebenden Symbole der hl. Dreifaltigkeit aufleuchten ließ. Flankiert war die erhabene Gruppe von den Kolossalstatuen der beiden Apostelfürsten. Schließlich hat das 1756 aufgestellte Chorgestühl für die Stiftsherren die Inneneinrichtung der Kirche vollendet; ein barockes Gitter schloss den Chor vom Langhaus ab, es wurde 1816 als "Alteisen" verkauft. Um 1750 wurde von dem bischöflichen Baumeister Leonhard Stahl eine Sakristei an der Nordseite des Chores errichtet, ein Bau von schlichter Schönheit; seine Wände sind durch Pilaster gegliedert, das Gewände der Fenster zeigt üppigen Rokaillesschmuck, darüber trägt reiches, profiliertes Gesims das Dach. Dieser Anbau ist vom Bombenhagel 1945 verschont worden.

Unter der Regierung des Fürstbischofs Franz Christoph von Hutten (1743 bis 1770) flackerte der alte Streit zwischen Stift Odenheim und Pfarrei erneut auf, so dass Kaiser und Papst eingreifen mussten. 1753 wurde durch ein Dekret festgelegt, dass das Langhaus der Pfarrgemeinde zustehen sollte. Damit blieb für die nächsten Jahrzehnte ein leidlicher Friede erhalten, aber erst die Säkularisation 1803 schuf endgültige Verhältnisse, allerdings meistens zum Schaden der katholischen Kirche. Denn der ganze weltliche rechtsrheinische Besitz des Hochstiftes Speyer und des Ritterstiftes Odenheim im Wert von 37,6 Millionen Gulden fiel an die protestantischen Markgrafen von Baden, nur mit der Einschränkung, dass die Stiftsherren durch ziemlich geringe Pensionen gesichert sein sollten.

Der Eigenbesitz des Ritterstiftes betrug allein in Odenheim 512 Morgen. Äcker und Gebäude wurden auf 4 Millionen Gulden geschätzt, der der Stadtpfarrei (im Jahre 1680) "an äckern 80 Morgen, Weingärten 2 Morgen, Krautgärtlein 2 Viertel, dazu gehörte ihr der Bauhof zu Neibsheim und verschiedene Einkünfte aus Mühlen und bischöflichem Besitz". Dieser kirchliche Besitz wurde durch die Säkularisation ebenfalls vom Staat annektiert, allerdings übernahm dieser damit auch die Besoldung der Pfarrgeistlichen und die Instandhaltung von Kirche und Pfarrhaus. Der letzte geistliche Ritter war Johann Graf von Thurn, der 1832 als Subdiakon starb, der letzte Stiftsvikar war der Priester Jakob Schalk, der hier im Alter von 90 Jahren 1843 starb. Der Gottesdienst der Vikare wurde 1808 endgültig eingestellt.

An Allerheiligen 1808 wurde der Chor der Liebfrauenkirche im Beisein des großherzoglichen Amtmanns und des Bruchsaler Stadtrates feierlich der Stadtpfarrei übergeben. Die übernahme der ganzen Kirche durch die Pfarrei wurde durch eine Prozession zum Hochaltar, darauffolgendes Amt und Te Deum gefeiert. Von 1803 bzw. 1808 ab gehörte die Liebfrauenkirche der Stadtpfarrei, an die Stiftsherren erinnerten nur noch einige Grabdenkmäler und die Bezeichnung Stiftskirche. Der badische Staat war zu ihrer Instandhaltung verpflichtet, eine Verpflichtung, für die er viele wertbeständige Güter übernommen hatte.

Stadtkirche vor der Zerstörung

Das 19. Jahrhundert hat der Kirche einige Veränderungen gebracht: 1881 wurde sie "stilgerecht" bis auf die Barockaltäre renoviert. Aus dieser Zeit stammt die polychrome düstere Bemalung der Wände, die später Stadtpfarrer Dr. Wetterer mit künstlerischem Empfinden durch einen hellen Verputz ersetzen ließ. Sehr bedeutsam für die Liebfrauenkirche war die Tätigkeit ihres Stadtpfarrers Dr. Anton Wetterer 1907 bis 1939. Zwei Phasen lassen sich während seines Wirkens in Bruchsal unterscheiden; die Errichtung der Südsakristei unter Leitung von Dr. Hirsch 1911 und die Ausschmückung des Chores durch den Maler Kitschker fallen in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Die beiden Fresken an den Chorwänden von Kitschker, welche die Verlegung des Ritterstiftes von Odenheim nach Bruchsal behandeln, wurden schon erwähnt. Im barocken Gewölbe des Chores hat derselbe Künstler die Himmelfahrt Mariens dargestellt (Kitschker hat auch die Peterskirche ausgemalt).

Die zweite Phase der Erneuerungen fällt in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. 1917 waren die Glocken des Krieges wegen eingeschmolzen worden, was sich auch im zweiten Weltkrieg wiederholen sollte. 1926 wurden zunächst fünf neue Glocken und eine Turmuhr mit Westminsterschlag im Turm angebracht, 1927 eine neue Orgel erbaut. In den dreißiger Jahren erhielt die Kirche einen Innen- und Außenverputz, der das gotische Rippengewölbe mit den noch aus dem Mittelalter stammenden Schlusssteinen vorzüglich zur Geltung brachte. Schließlich belebte eine plastische Darstellung des Kreuzweges von Sutor die Mittelschiffpfeiler - da brach der zweite Weltkrieg aus, der in dem Augenblick die ganze Kirche zerstören sollte, als sie durch die Restaurierungsarbeiten vollendet schien.

  

X

Rechts Klick!

Leider können Sie dieses Bild nicht speichern!