Der lange Schatten des Kreuzes

Vortrag von "Konradsblatt"-Redakteur Michael Winter bei der kfd St. Paul

Das Kreuz ist weg, der Nagel noch in der Wand; nur der Schatten erinnert daran, wie lange ein Kruzifix an dieser Stelle gehangen haben muss. Das prägnante Motiv war im Herbst auf dem Cover vom "Konradsblatt" zu sehen und jetzt hielt Michael Winter, Redakteur bei der Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg, zu diesem Thema einen Vortrag bei der kfd St. Paul. 
 

Unter dem Titel  "Leerstelle Gott – Die Herausforderung der religiösen Gleichgültigkeit" beleuchtete der Referent die aktuelle Situation der Kirche, ordnete ein und stellte Fragen: Fehlt Gott, wenn er nicht da ist? Was heißt es für eine Gesellschaft, wenn die christlichen Werte verloren gehen? Bedeutet der Mitgliederschwund bei den christlichen Kirchen, dass die Menschen glücklich und zufrieden ohne Gott sind?
Michael Winter, Jahrgang 1962 und selbst Theologe, ging in seinem Vortrag natürlich auch auf die Kirchenentwicklung 2030 und die damit verbundenen aktuellen Herausforderungen ein: Galt die katholische Kirche in der Vergangenheit als "Besserwisser", gebe sie sich jetzt "auf Augenhöhe", zeige sich "demütiger" angesichts der vielfachen Skandale. Dennoch befinde sich der christliche Glaube auf dem Rückzug und viele könnten mit den christlichen Symbolen in den Kirchen nichts mehr anfangen. Logische Schlussfolgerung: Idole ersetzen Gott - Symbole, Stars und Sport werden zu Götzen. Zwar sehe man etwa in Frankreich eine steigende Zahl von Taufen in der Osternacht und auch die Zahl der Erwachsenentaufen in Deutschland nehme zu. Dennoch gehe allgemein die persönliche Bindung an die Kirche zurück. Da aber das Christentum nur in der Gemeinschaft denkbar ist, müssten wir wieder lernen, als Minderheit in der Diaspora zu leben, als kleine Herde, von der schließlich schon die Bibel spricht.
 
 
Auch in der abschließenden Fragerunde betonte Referent Winter, dass Glaube nicht einfach, sondern anspruchsvoll sei, dass wir als Christen aber zugleich auf eine lange Tradition zurückgreifen können. Daneben nahm Winter immer wieder Bezug auf den Theologen Jan Loffelds, der in seinem Buch "Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt" das "Christentum vor der religiösen Indifferenz" beschreibt.
Alles in allem ein tiefgründiger Vortrag, der viel Gesprächsstoff und weiterführende Lektüre brachte. Darin waren sich am Ende des Abends die Zuhörerinnen und Zuhörer genauso einig wie kfd-Vorsitzende Cilly Rathgeb, die schon eingangs auf die Bedeutung der Kirche bei der Sinnsuche des Lebens hinwies. Und hier schließt sich dann wieder der Kreis zum langen Schatten des Kreuzes.
 
 
 
 
Quelle: Andrea Kohl, kfd St. Paul