Bevor das Herz in die Klemme gerät

Vortrag des Herzspezialisten Dr. Matthias Redecker bei der kfd St. Paul

„Hören Sie auf Ihr Herz!“  - so begann Dr. Matthias Redecker seinen Vortrag, den er auf Einladung der kfd-Vorsitzenden Cilly Rathgeb im bestens besuchten Pfarrsaal von St. Paul hielt. Unter dem Thema "Das schwache Herz" bot der Bruchsaler Kardiologe Interessantes zu Beratung, Aufklärung und Prävention.

 
Weit über 100 Zuhörer profitierten an diesem Abend von der langjährigen Erfahrung des Facharztes für innere Medizin. Denn Dr. Redecker war seit 1994 federführend in der Kardiologie in Bruchsal tätig, bevor er im Herbst 2025 seine Patienten im Friedrichspalais an Dr. Sebastian Bader übergab. Mit 67 Jahren hat er sich jetzt ein neues Betätigungsfeld gesucht und ist dafür tageweise im Medizinischen Rehazentrum in Mettnau (Bodensee) aktiv.
In seinem Vortrag betonte er die Bedeutung des Themas, schließlich leiden in Deutschland 3,5 % bzw. 2,5 Mio. Menschen an einer Herzinsuffizienz. Mit steigendem Lebensalter nehmen auch die Fallzahlen zu, wobei Männer häufiger von der Krankheit betroffen sind als Frauen. Als Ursachen werden meist eine Koronarerkrankung, ein zurückliegender Herzinfarkt, hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen oder Kardiomyopathie diagnostiziert. Zu den Risikofaktoren zählen eingeschränkte Aktivität, hoher Blutdruck, Übergewicht, Diabetes, hohe Cholesterinwerte und Rauchen. Bei einer Herzinsuffizienz beträgt die Pumpleistung des Herzens oft nur noch zwischen 40 und 50 %. Anzeichen sind z. B. Ödeme, Atemnot und schnelle Erschöpfung. Die Krankheit lässt sich durch eine Optimierung moderner Medikamente, körperliches Training, gesunde Ernährung, Nikotinkarenz und Stressbewältigung behandeln. In schweren Fällen hilft allerdings nur eine Herztransplantation oder ein Kunstherz.
Für den Facharzt Redecker ist es bedauerlich, wenn die verordneten Medikamente von Patienten nicht dauerhaft oder zuverlässig eingenommen werden; dies führt nämlich dann wieder zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands. 
 
 
In der regen Fragerunde gegen Ende des Vortrags ging es beispielsweise um die Schwierigkeit, überhaupt einen Facharzttermin zu bekommen. Dabei erklärte der Kardiologe den Zuhörern, dass es in der Regel sinnvoll ist, zuerst den Hausarzt zu kontaktieren und dann in Absprache den Facharzt. Oftmals könne so ein Zusatztermin vermieden werden oder sogar, dass etwa der falsche Facharzt aufgesucht werde. Außerdem gab der Referent seinem Publikum noch ein ausgezeichnetes Heilmittel mit auf den Weg: Sport - für ihn das beste Antidepressivum, sodass es sich lohnt, jeden Tag etwas Bewegung in den Alltag einzubauen, dem eigenen Herzen zuliebe.
 
Text: Andrea Kohl
Fotos: Reinhilde Kneis